Schlechte Aussichten für China

Wissen Sie was für ein Wetter heute in Peking ist? Nein? Die meisten Einwohner in Peking wissen es auch nicht. Den meisten Einwohnern dürfte das auch ziemlich egal sein. Denn falls die Sonne scheinen würde, würden sie es eh nicht mitbekommen. Denn sehen kann man die Sonne die meiste Zeit im Jahr nicht. Für den Pekinger stellt sich die Frage überhaupt nur danach, ob gerade nur Smog ist oder wieder ein Sandsturm die schlechte Sicht auch noch mit Sandkörnern auflädt. Die wirken wie kleine Nadelstiche auf der Haut und werden vom Norden ins Land  getrieben. Für die wenigen, die darin Einblick haben und auch nur weil Sie heute besonderes Interesse daran haben, wissen, dass es  heute regnen soll.

Ausgerechnet heute soll also die schlechte Sicht auf die Eröffnung der Olympischen Spiele auch noch verwässert sein. Mit allen Mitteln soll das verhindert werden, denn China will grüne Spiele zeigen.

In Peking ist normalerweise recht gutes Wetter, so etwa wie bei uns in Deutschland, aber eine dicke Schicht an Russpartikeln verdeckt die Sicht auf die Spiele. Gut, Rekorde sind nicht zu erwarten und daher auch nicht zu verpassen und so macht es vielleicht nichts, wenn wir nicht alles mitbekommen. Aber rechtzeitig zur Global-Warming Euphorie bekommen wir wenigstens den Worst Case in den nächsten Wochen vorgeführt. Also Matscheibe polieren hilft nicht. Der Dreck ist vor der Linse. Auch für die Sportler wird’s spannend, denn so ist bei den 100m Läufen das Ziel nicht unbedingt schon am Start in Sicht. Bei dieser Gelegenheit wird der eine oder andere Athlet im Geiste noch mal durchgehen, wie viel Liter dieser Luft er in den nächsten 9 Sekunden durch seine Lunge filtern wird. So bleibt abzuwarten, wie unsere vermeintlich Gesündesten und Leistungsfähigsten sich mit der Situation abfinden. Die meisten wohl besonders kurz, denn sie reisen erst in letzter Minute zu den Wettkämpfen an - soweit sie volljährig sind, die wenigsten also, und das selbst entscheiden können.

So zeigt uns ganz nebenbei Peking auch, was kurzfristig eine Einschränkung des Ausstoßes von Schadstoffen aus Schlöten und Auspuffrohren bringt, denn die Landesväter haben kurzer Hand viele Fabriken und Kraftwerke rund um Peking abgeschaltet und die Zahl der bewegten Autos reduziert. Das bedeutet wohl auch, dass eine Menge Menschen in diesen Tagen frei haben und sich voll darauf konzentrieren können richtig klatschen zu lernen und ein paar gute Manieren einzuüben, so wie sich das die Regierung für die nächsten Wochen wünscht. Ein paar sind eventuell noch damit beschäftigt die paar Bäume wieder anzupflanzen, die Peking früher vor dem Sandsturm geschützt haben.

In den letzten Tagen vor den Spielen sah es allerdings weder gut mit den Manieren aus, denn gerne pinkelt der Chinese noch auf offener Strasse mal an eine Mülltonne, noch klappt das mit dem Smog. Alten und Kranken wurde noch vor wenigen Tagen empfohlen zu Hause zu bleiben, wegen der schlechten Luft. Sicher unsere Sportler sind da nicht direkt angesprochen, aber vielleicht der eine oder andere Trainer reiferen Alters. Offensichtlich will Peking die Statistik von derzeit 750.000 Sterbefällen nicht noch mehr in die Höhe treiben.

Da kommen einem die Umweltzonen in den Sinn, die hier in Deutschland eingeführt wurden. Das wäre zweifelsohne in China eine sehr provokante Idee und dürfte die Stadt lahm legen und anschließend den Warenstrom an chinesischen Produkten  in die westliche Welt abreißen lassen. Auf der anderen Seite erkennen wir an diesem plastischen Beispiel, welchen hohen Preis wir für unsere billigen Produkte bezahlen. Auch wenn das heute nur die schlechte Sicht ist, so ist das doch auch ein Teil unseres Planeten und ein Problem, das auf keine Fall kleiner wird. Besonders wenn man sich den wachsenden Wohlstand in China und die damit verbundene explosionsartig wachsende Anzahl an Autozulassungen vor Augen hält.

Auch wenn keine Rekorde zu erwarten sind, so werden sich die Nationen vielleicht mit guten Vorschlägen übertrumpfen, was man denn für unsere Umwelt alles tun könnte. Vielleicht wird es daher eher eine Umweltolympia, und sicher werden einige Firmen, die gerade wie Pilze aus dem Boden schießen, auf den Zug aufspringen. Denn mit Umweltschutz-Ideen lässt sich diese Tage richtig viel Geld machen. Und zum Geldverdienen war Olympia ja in den vergangen Jahren primär da und nicht nur zu Propaganda-Zwecken, wie sich das die Landesväter in erster Linie wünschen.

Klar ist in jedem Fall, wer jetzt über hohe Preise stöhnt, der sollte gewarnt sein vor dem was da noch komme. Billiger werden viele unsere Produkte nicht werden, von denen wir nie gedacht hätten dass die teilweise oder ganz aus China kommen. Wir sollten das akzeptieren, denn von uns will ja auch jeder Olympia wieder ohne grauen Schleier sehen.

8.8.08 18:25

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